Zivilcourage und Mut statt NotlügenDass Menschen lügen weiss jeder. Laut dem Sozialwissenschaftler Peter Stiegnitz wollen wir uns damit zum Beispiel Ärger ersparen (41%), das Leben bequemer gestalten (14%), von anderen geliebt werden (8,5%) oder wir lügen einfach aus Bequemlichkeit und Faulheit (6%).
Lüge ist jedoch nicht gleich Lüge. 80% unserer Lügen sind harmlos und dienen oft nur dazu, den anderen nicht zu verletzen oder zu demotivieren. Bedenklich werden Lügen jedoch, wenn wir uns durch bewusste Fehlinformation oder durch das Verbiegen der Wahrheit einen eigenen materiellen Vorteil verschaffen oder andere gar gezielt schädigen. Ohne Vertrauen keine nachhaltige Partnerschaft Verkäufern wird nachgesagt, sie würden es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Sie verschweigen Dinge, auf die sie den Kunden eigentlich hätten aufmerksam machen müssen. Oder Sie setzen ihre Überzeugungskraft dafür ein, dem Kunden Produkte zu überteuerten Preisen anzudrehen. Mag sein, dass ein solches Verhalten kurzfristig Erfolg hat. Nachhaltig ist es aber nicht, denn ein Verkäufer, der seinen Kunden bewusst über den Tisch zieht, macht dies nur ein einziges Mal.
Offenheit und Transparenz
Was aber, wenn man ohne böse Absicht vor einem Kunden plötzlich als „Lügner“ dasteht, weil ein versprochener Liefertermin nicht eingehalten werden kann oder eine Option die zugesagte Leistung nicht erfüllt? Wie soll man sich also in solchen Situationen gegenüber dem Kunden, Chef oder Kollegen verhalten? Darauf gibt es nur eine einzige richtige Antwort: Proaktiv auf den Partner zugehen, die Schwachstelle oder das Problem ansprechen und zusammen versuchen, eine Lösung zu finden. Wenn Sie es nicht tun, wird es der Partner selber herausfinden oder noch schlimmer, er wird auf Umwegen, Gerüchten oder Kollegen darauf gestossen. Harald Burson, Gründer der Firma Burson-Marsteller, meint dazu: „Negative Vorkommnisse soll man zu einer One-Day-Story machen. Das schlimmste ist, wenn man einen Teil zugibt und zwei Tage später noch mehr herauskommt“. Die Geheimnisse werden gelüftet, weil es immer jemanden gibt, der die geheimen Informationen kennt – „Get it over in one day“, ist Bursons Rat. Zivilcourage und Mut Eine offene und transparente Kommunikation und das Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben, birgt zwar immer auch die Gefahr in sich, dass der Partner die Beziehung abbricht. Vielfach wird gerade ein ehrliches und offenes Verhalten sehr geschätzt und die Glaubwürdigkeit und Integrität werden gesteigert. Dazu gibt es auch Beispiele aus der Politik. Mit seinem Ausspruch „Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“ nahm Klaus Wowereit, Bürgermeister von Berlin, seinen politischen Gegnern den Wind aus den Segeln und seine Offenheit und sein Mut brachten ihm im Wahlkampf 2001 enorm viele Stimmen. Ein Mensch, der nicht die Wahrheit sagt, aus Angst, seine Kollegen, Kunden, Mitarbeiter oder seinen Chef zu verärgern, läuft Gefahr, sich in seinen eigenen Lügen immer mehr zu verstricken, und setzt dadurch das Vertrauen zu seinen Mitmenschen aufs Spiel und verliert schliesslich seinen guten Ruf. |
30.04.2011 |
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