Kritik - Achtung Risiko!Halten Sie es aus, kritisiert zu werden? Können Sie konstruktiv kritisieren?
Kritik ist ein Bestandteil der Führungsaufgabe. Doch wer andere korrigiert, läuft Gefahr, sich unbeliebt zu machen. Für den Kritisierten ist es genauso wenig angenehm, denn für ihn besteht das Risiko des Gesichtsverlusts. Die normale Reaktion heisst Widerstand, folglich ist Kritik ist eine sehr heikle Sache. Wer darf wen kritisieren – von wem können Sie es nehmen und wen korrigieren Sie unbefangen? Vermutlich können Sie Ihren Kindern sehr viel freier sagen, was sie anders tun sollen als Ihrer Frau. Die Mitarbeiter zu korrigieren ist leichter als ihre Kollegen zu rügen. Ihren Chef zu kritisieren ist zwar schwer aber doch noch einfacher als es bei Ihrem besten Kunden zu wagen. Das zeigt: Es kommt auf die Hierarchie an - nach unten mäkeln ist unkomplizierter, denn Kritisieren bedeutet sich überzuordnen. Das hierarchische Oben-Unten-Denken ist ein Handicap. Für echte und produktive Zusammenarbeit müssen wir von allen Seiten Kritik annehmen können. Jeder, der glaubt immer 'oben' sein zu müssen, verrennt sich in endlose Schwierigkeiten. In jeder Kritik schlummert eine Chance! Wer Sie kritisiert, der nimmt Sie zumindest ernst genug, um sich mit Ihnen auseinanderzusetzen, anstatt verdeckt gegen Sie Politik zu machen. Als Chef dürfen Sie der Kritik nicht ausweichen, es sei denn Sie haben aufgehört zu lernen. Mit der richtigen Einstellung gelingt es, professionell zu reagieren. Und natürlich ist es für eine Führungskraft ein Muss, sich in der Kunst der konstruktiven Kritik zu vervollkommnen. Wer sie beherrscht, • ...der sagt, was er möchte, ohne dabei unnötig anzuecken und • …beugt Konflikten vor, indem er Spannungen früh genug aufgreift und sein Gegenüber respektvoll behandelt.
Ist Kritik lernbar?
Die Fähigkeit zu konstruktiver Kritik ist glücklicherweise keine vererbte Eigenschaft. Wer sie sich aneignen will, der kann es auch, indem er sie auf geeignete Weise trainiert. Lernmotivierte Chefs sollen gute und schlechte Beispiele beobachten, Gespräche üben und verschiedene Formulierungen ausprobieren. In einem Seminar haben Sie die besten Voraussetzungen, da Ihnen offen und ehrlich gesagt wird, wie sie rüberkommen. Kritik annehmen Erfolgreiche Menschen haben eins gemeinsam: Wenn Sie ein Feedback erhalten, hören sie zu und werten es aus. Demgegenüber führt eine vorschnelle Verteidigungshaltung zu Missverständnissen und Verhärtungen.
Sie werden professioneller reagieren, wenn Sie sich folgende Einstellungen verinnerlichen:
Kritik konstruktiv anbringen Ob es ihnen gelungen ist, eine Kritik konstruktiv zu formulieren, entscheidet der Empfänger. Achten Sie also auf seine Reaktion und korrigieren Sie allenfalls: «Meine Worte haben Sie verletzt; das war nicht meine Absicht». Halten Sie sich beim Kritisieren an ein paar Grundregeln: • Unter vier Augen statt öffentlich • Einleiten, dass Sie einen heiklen Punkt ansprechen möchten statt aus heiterem Himmel • Eine konkrete Situation statt basierend auf einem Bauchgefühl • Ehrlich und direkt statt durch die Blume • Auswirkungen aufzeigen statt anklagen • Nachfragen und zuhören statt dozieren und urteilen • Die eigenen Gefühle und Absicht aufzeigen statt scheinsachliche Argumente anführen • Bei der Lösungssuche unterstützen: Tipp anbieten statt Tipp aufdrängen
Vorbehaltlos konstruktive Haltung
Mit Vorteil gehen sie mit folgender Haltung ins Gespräch: 1) Die zu kritisierende Person ist als Mensch OK. 2) Eine seiner Verhaltensweisen erscheint mir in einer bestimmten Situation unpassend, mit Nachteilen verbunden oder inakzeptabel. 3) Ich möchte die Person unterstützen, daran zu arbeiten. Dazu ein Ablaufschema und ein Beispiel:
Einleitung: Frau Meisel, ich finde wir hatten immer einen guten Draht. Und jetzt gibt es ein Problem. Darf ich offen reden?
Konkrete Situation:
Auf diese Distanz rieche ich einen starken Parfumgeruch. (...Pause...)
Auswirkung: Es mir unangenehm auf die normale Gesprächsdistanz heranzukommen. Einzig wegen der Duftstärke. Mich persönlich stört es. Ich fürchte ausserdem, es kann Ihnen Möglichkeiten mit Kunden verbauen, und das wäre schade.
Wunsch: Ich wäre froh, wenn Sie das Parfum reduzieren würden.
Abmachung: Wäre es Ihnen recht, wenn ich Ihnen nächste Woche eine Rückmeldung gebe?
Dank: Frau Meisel, vielen Dank.
Defensive Reaktionen seitens der Empfängerin sind nicht nur möglich sondern wahrscheinlich. Frau Meisel könnte einwenden: "Sie haben aber eine empfindliche Nase!" Damit umzugehen ist nicht weiter schwer. Vielleicht sagen Sie einfach nichts oder bemerken "Mag sein. Und was werden Sie jetzt tun?". Danach lautet die Devise: Ermutigen Sie Anstrengungen in die erwünschte Richtung: «Ich schätze das.» und erwähnen Sie Verbesserungen: «Die Sache ist für mich bereinigt.» Das klingt hier alles viel einfacher als es ist, nicht wahr? Darum: Viel Erfolg! Joachim Hoffmann Joachim Hoffmann ist Kursleiter beim SFW und Inhaber der Firma Hoffmann Coaching in Zürich. Die Spezialität des Arbeits- und Organisationspsychologen FSP/SGAOP liegt darin, sein psychologisches Wissen fundiert und praxisfreundlich weiterzugeben. Der nächste Kurs «Die Kunst der konstruktiven Kritik» findet am 3. Mai in Solothurn statt.
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08.04.2011 |
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