Wie Sie mit Fehlern souverän umgehen
Der Cellist Gregor Piatigorsky erzählt über sein erstes Zusammentreffen mit Casals Folgendes: "Er forderte mich auf, mit Rudolf Serkin eine Beethovensonate zu spielen. Wir waren aufgeregt und pfuschten, und Casals rief immer wieder 'Wundervoll!' und 'Grossartig!' Am Schluss umarmte er mich, und ich grübelte tagelang, warum er, der doch jeden Fehler gehört haben musste, so begeistert tat.
Einige Jahre später traf ich ihn in Paris wieder. Da fasste ich mir ein Herz und gestand ihm meinen Zweifel an der Aufrichtigkeit seines Lobes. Casals griff zu seinem Instrument und spielte einige Takte aus jener Sonate. 'Haben Sie diese Stelle nicht mit jenem Fingersatz gespielt? Und das hier: Mit Aufstrich, nicht wahr?' Ich bejahte. 'Sehen Sie', sprach Casals. 'Das war wunderbar, und ich bin Ihnen heute noch dankbar dafür. Die Fehler zu zählen, können Sie den Dummen überlassen.'" Nun, auf diese Art mit Fehlern umzugehen, zeugt von grosser Souveränität.
Fehler sind menschlich und geschehen. Daran ändern auch tausend Optimierungen nichts. Und natürlich ist es nicht möglich, Fehler immer grosszügig zu übersehen. Wie Sie mit Fehlern umgehen und in Ihrem Unternehmen vor allem eine positive Fehlerkultur etablieren, erfahren Sie in den folgenden Tipps: Stehen Sie zu Ihren Fehlern Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Handeln. Viele Chefs machen für alles, was schief läuft, die schlechte Wirtschaftslage, die Lieferanten oder sonst irgendwen verantwortlich. Schieben Sie Misserfolge nicht auf andere ab, vor allem nicht auf andere Mitarbeiter. Erstens beweisen Sie so Rückgrat und zweitens sind Sie Ihren Mitarbeitern ein Vorbild. Sie senden die Botschaft: Jeder macht Fehler. So werden Ihre Mitarbeiter sich nicht scheuen, Fehler einzugestehen. Und das ist um ein Vielfaches besser, als vertuschte Fehler mitzuschleppen. Seien Sie nicht nur ein Vorbild, sondern kommunizieren Sie aktiv, dass Fehler nicht den Kopf kosten, sondern dass Fehler sogar nützlich sein können, wenn alle davon lernen. Sprechen Sie Fehler sofort an Sprechen Sie Fehler sofort konstruktiv an und nicht erst Tage oder Wochen danach, wenn niemand mehr weiss, was genau passiert ist. Ganz besonders übel ist es, einem Mitarbeiter einen ganzen Wust von Fehlern an den Kopf zu werfen, nachdem dem Chef wieder einmal der Kragen geplatzt ist. Wie Fehler ansprechen Aus einem Gespräch über Fehler darf der Mitarbeiter nicht geknickt herauskommen. Sprechen Sie sachlich und konkret über den Fehler. Zum Beispiel: Gestern wurden alle Rechnungen ohne Versandspesen erstellt, auch jene, deren Fakturawert kleiner als 100 Franken beträgt. Wieso ist das passiert und was können wir tun, damit der Fehler in Zukunft nicht wieder vorkommt? Vermeiden Sie Schuldzuweisungen, Vorwürfe oder sogar Beschimpfungen. Falls ein Mitarbeiter einen Fehler gemacht hat, macht er sich bereits selber Vorwürfe und hat oft ein schlechtes Gewissen. Wenn der Chef auch noch in dieselbe Kerbe haut, ruft das nur Trotzreaktionen hervor. Gerade wenn noch andere Mitarbeiter dabei sind, muss der Chef signalisieren, dass nicht der Fehler im Zentrum steht, sondern die Lösung. Untersuchen Sie auch die Umstände. Ein Fehler entsteht nicht einfach so. Fragen Sie, wie es dazu kommen konnte. Meist gibt es eine Reihe von Ursachen, die Sie ändern können. Zusammenfassung: - Verhindern Sie ein Klima der Angst in Ihrer Firma. Fördern Sie eine Kultur der Offenheit. Sagen Sie: „Ohne Risiko kein Gewinn!“ - Sprechen Sie Fehler – auch eigene – offen an, und motivieren Sie alle Mitarbeiter, bei der Fehlerbekämpfung mitzumachen. - Beheben Sie Fehler schnellstmöglich, und halten Sie zum Abschluss fest, was alle aus dem Fehler lernen können und wie man ihn künftig vermeidet. - Forschen Sie nach den Ursachen. Gibt es ein strukturelles oder organisatorisches Problem, das man lösen muss? |
14.02.2011 |
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