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Wie Sie mit Kritik und Emotionen konstruktiv umgehen?

Sie sind zu bewundern diese Menschen, welche selbst wenn sie persönlich angegriffen werden, ganz ruhig und wertschätzend bleiben. Wie machen sie das nur und ist das lernbar? Genau mit dieser Frage setzte sich Marshall B. Rosenberg bereits vor rund 40 Jahren auseinander und seine Antwort in der von ihm entwickelten gewaltfreien Kommunikation ist überraschend einfach.

Kommunikation beginnt mit dem Hören

Bereits beim Zuhören kann ich mir oder dem Kritiker Gewalt antun. Dass es dann zur Eskalation kommt ist klar. Beginnen Sie deshalb mit dem gewaltfreien Hören und schalten Sie noch nicht in den Antwortmodus. Dabei können Sie Ihre Ohren nach Aussen – worum geht es dem Menschen vor Ihnen - oder nach Innen – wie sprechen Sie mit sich selbst - richten. Wenn die Ohren nach Aussen gerichtet werden, gehen Sie von Folgendem aus:

Was der andere sagt, hat nichts mit Ihnen zu tun
Nur zu leicht vergessen wir: Wenn jemand etwas sagt, sogar eine Kritik, ist es zunächst eine Selbstaussage. Er sagt etwas aus über seine Gedanken, Gefühle und seine Bedürfnisse. Seine Welt ist nicht Ihre Welt, was er beobachtet hat und darüber denkt, hat nicht absolute Gültigkeit. Es ist ein gefährlicher Automatismus, gleich alles als allgemein gültig zu verstehen und auf sich selbst zu beziehen. Sie können ihn überwinden, indem Sie zunächst Ihre Aufmerksamkeit auf den anderen richten und darauf, wie es ihm geht und was er will.

Nehmen Sie die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers in den Fokus

Wie geht es diesem Menschen, ist er wütend, frustriert, übermütig oder schlicht müde und erschöpft? Welches Motiv und Bedürfnis will er ausdrücken? Braucht er Ruhe, mehr Ordnung, möchte er mehr Zusammenarbeit oder Anerkennung?

Mit diesem Fokus bleibt Ihre Haltung wertschätzend und interessiert. Formulieren Sie ihre Vermutung über die Bedürfnisse Ihres Gegenübers.

Doch was tun Sie, wenn der Andere direkt auf Sie schiesst und Ihnen sagt „sie sind unordentlich, Sie sind unzuverlässig, Sie sind unmöglich oder schlicht unbrauchbar?“

Dann ist es höchste Zeit, Ihre Ohren nach Innen zu richten und zu sehen, dass Sie sich nicht selbst Gewalt antun.

Hören Sie empathisch nach Innen

Wenn andere Menschen Urteile über Sie fällen, ist das zunächst schmerzhaft. Deshalb ist es entscheidend, dass Sie sorgsam mit sich selbst umgehen. Wiederholen Sie zuerst im stillen Kämmerlein - oder bei etwas Übung direkt - was genau gesagt worden ist. Benennen Sie danach ihre Gefühle, Ihre Bedürfnisse und fügen Sie an, um welche Handlung Sie den anderen nun bitten. Manchmal helfen dazu Sprachfiguren.

Sprachfiguren können helfen in eine wertschätzende Haltung zu kommen
Obwohl sogenannte Sprachfiguren auch ihre Tücken haben – sie können zum Beispiel manipulativ wirken -, können sie Sie doch darin unterstützen, selbstbewusst und gewaltfrei Dinge zu formulieren. Eine Sprachfigur für eine gehörte Verurteilung könnte zum Beispiel sein:
... Wenn ich von Ihnen höre, dass - ich unordentlich sei, macht mich das - wütend
... weil mir wichtig ist, dass - ich hier nicht persönlich beurteilt werde, sondern wir das Problem lösen.
... Ich möchte Sie deshalb bitten, mir zu sagen - wie eine ideale Lösung für das entstandene Problem für Sie aussehen könnte


Ein Tipp zum Schluss:
Hören Sie in der Kommunikation mehr auf den Bass als auf die Liedmelodie
Wir alle neigen dazu, gerade in emotionalen Gesprächen vor allem darauf zu achten, welche Positionen und Sachargumente jemand vertritt. Auch uns selbst reduzieren wir gerne darauf, welche Meinung wir gerade vertreten. Hinter diesen Positionen – der Liedmelodie sozusagen – verbergen sich aber Gefühle und Bedürfnisse – die Bassstimme. Wenn wir uns darauf fokussieren und diese in Konflikten auch wertschätzend benennen, ändert sich sehr oft die Tonart und damit auch die Liedmelodie. Sie und Ihr Gegenüber beruhigt sich. Sie fühlen sich verstanden und Lösungen werden machbar.


01.02.2010

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